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Das Hightech-Produkt eines Spin-Off-Unternehmens

18.05.2005
Bieler Tagblatt - Die Bieler Axsionics entwickelt ein neuartiges Zugangssystem, das mit Fingerabdruck funktioniert.

Wo neue Technologien entstehen
Im Spin-Off-Park der HTI Biel werden die Unternehmen der Zukunft gefördert. In zehn Jahren bestehen sie im Markt - wenn alles gut läuft.
Tobias Graden

Auf dem Computerbildschirm von Andreas Eicher flackerts. Es ist ein schwarzes Quadrat, dessen vier Teile in unterschiedlicher rascher Abfolge aufblitzen. Eicher nimmt eine rot eloxierte, kreditkartengrosse Platte in die Hand und hält sie vor den Bildschirm. Dann streicht er mit dem rechten Zeigefinger über ein Einlesefenster auf der Platte. Das Display der Platte zeigt einen Code an. Eicher tippt diesen in die Tastatur - und fertig ist das Zugangsprozedere.
Andreas Eicher ist ein junger Entwicklungsingenieur. Er arbeitet in der Firma Axsionics AG, die sichere und benutzerfreundliche Identifikationssysteme für Zugangskontrollen zu «allen möglichen real und virtuell existierenden Örtlichkeiten» (Eigenbeschrieb) entwickelt.

Am Anfang ist die Idee
Die Axsionics ist kein normales Hightech-Unternehmen. Noch nicht. Die Axsionics ist ein so genanntes Spin-Off. Entstanden ist es aus einer Idee von Dozenten der HTI Biel, die mit dem Businessplan im Jahr 2002 einen Förderwettbewerb gewonnen haben, damals noch unter dem Namen Cod-It.
Als Spin-Offs werden Jungunternehmen bezeichnet, deren Geschäftsidee an einer Hochschule, in der Forschung, geboren wurde. Solche Spin-Offs haben mit typischen Schwierigkeiten zu kämpfen: Sie haben zwar eine gute Idee für ein neues Produkt, doch es fehlt ihnen an Kapital und Infrastruktur, um es realisieren zu können.
Hier setzt der Spin-Off-Park der Berner Fachhochschule an. Sein Bieler Ableger ist in der Rockhall II domiziliert, Lorenz Müller amtet als Leiter Technologietransfer.

Sehr hohes Potenzial
Als Fabrikhalle mit herumwuselnden Jungunternehmern darf man sich den Bieler Spin-Off-Park aber nicht vorstellen. Er ist eher ein Unterstützungsprogramm denn ein Firmengebäude im Stile der Gründerzentren und Technoparks. «In den Gründerzentren fanden von den Coiffeusen bis zum Grafiker alle Unterschlupf, die sich selbstständig machen wollten», sagt Müller mit einer Portion Ironie. «Wir hingegen setzen auf Hightech-Jungunternehmen, die ein sehr hohes Wertschöpfungspotenzial aufweisen.»
Diese Beschreibung passt bestens zur Axsionics. Die Anwendungsmöglichkeiten für ihr Zugangssystem sind enorm: Überall, wo heute Passwörter und Codes verwendet werden, könnte dereinst die Seeländer Fingerabdruck-Karte zum Einsatz kommen. «Das Potenzial ist riesig», sagt Müller.
«Wir kennen die Basis»
Die Axsionics hat wie drei weitere Jungunternehmen ihre Geschäftsadresse im Spin-Off-Park, Entwicklung und Montage erfolgen aber im HTI-Hauptgebäude. «In der Rockhall stellen wir den Unternehmen ein Empfangsbüro und Sitzungsräumlichkeiten zum Selbstkostenpreis zur Verfügung», sagt Müller. Die Firmen selber sollen sich auf ihre Kernaufgabe konzentrieren können, die lautet: Wie kriege ich mein Produkt auf den Markt?
Start-Up-Unternehmen mit einer neuen Produktidee gelten gemeinhin als «Hochrisiko-Investment». Kapital erhalten sie allenfalls von Venture-Capital-Investoren, die damit rechnen, dass von zehn unterstützten Unternehmen nur eines den Durchbruch schafft. «Das ist eine ineffiziente Methode nach dem Prinzip ‹Versuch und Irrtum›», sagt Lorenz Müller. «Wir von der HTI können die technologische Basis der Jungunternehmen sehr gut abschätzen und arbeiten mit Spezialisten für die wirtschaftlichen Bereiche zusammen. So fördern wir effizienter.» Die EPFL in Lau- sanne, die seit zehn Jahren einen dem Bieler Modell ähnlichen Spin-Off-Park unterhält, verzeichne jedenfalls eine deutlich höhere Erfolgsquote.

Zehn Jahre braucht es
Finanziert wird der Spin-Off-Park durch die Stiftung für technologische Innovation. Sie ist von der Berner Kantonalbank mit 3,5 Millionen Franken Kapital geäufnet worden, das in den nächsten zehn Jahren investiert werden soll. «Diese Zeit braucht es, um ein neues Hightech-Unternehmen zu etablieren», sagt Müller. Er rechnet mit etwa 20 unterstützten Jungunternehmen in dieser Zeitspanne. Für ein Fazit sei es nach einigen Monaten des Bestehens jedenfalls noch viel zu früh.

Schulungen und Coachings
Neben der Infrastruktur erhalten die Spin-Offs Unterstützung im Bereich «Management of Technology», also Zugang zu Schulungen, Coachings und zum Startup-Programm des Bundes; sie können das an der HTI erarbeitete geistige Eigentum von der Schule günstig erwerben, und sie kriegen so genanntes «Seed Money», eine Initialfinanzierung in der Höhe von bis zu 300 000 Franken. Bedingung ist, dass die Unternehmen direkt mit der HTI zu tun haben, also aus Absolventen, aktuellen oder ehemaligen wissenschaftlichen Mitarbeitern oder Dozenten bestehen. Zudem sollten sie den späteren Firmensitz in der Region wählen.
Am Punkt des Auszugs in eigene Räumlichkeiten ist die Axsionics noch nicht. Doch die jungen Unternehmer sind zuversichtlich: Bis «im zweiten Quartal» 2006 soll ihr Produkt marktreif sein. Bei potenziellen Kunden sei sehr grosses Interesse vorhanden.


 
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